Die Kunst anderen eine Geschichte zu erzählen

Jeder erzählt gerne von sich. Man merkt das oft in Gesprächen mit anderen. Ob mit Freunden, Verwandten oder Bekannten. Wenn wir uns mit ihnen treffen, erzählen sie begeistert von Ihren Erlebnissen. Doch wenn wir plötzlich anfangen, aus unserem Alltag etwas zu erzählen bekommt man häufig das Gefühl, dass es gar keinen interessiert. Ich habe mich gefragt, warum das so ist. Wie lassen sich Geschichten erzählen, sodass sie andere begeistern und mitreißen?


Ich glaube, das wichtigste ist der persönliche Bezug. Eine Geschichte ist für uns dann interessant, wenn wir uns etwas Genaues darunter vorstellen können. Wenn es uns leicht fällt, sich in die jeweilige Situation hineinzuversetzen. Finden wir uns also in einer Situation wieder, in der wir anderen eine Geschichte erzählen, sollten wir das immer im Hinterkopf behalten. Es geht nicht darum, anderen zu berichten, was wir erlebt haben. Sondern unsere Aufgabe ist es, unsere Geschichte so zu erzählen, dass sie sich darin wiederfinden können.


Beim Songwriting befinden wir uns genau in einer solchen Situation. Wir schreiben Songs, um dem Hörer etwas zu erzählen. Dieser wird den Song aber nur gut finden, wenn er einen persönlichen Bezug zu der Situation findet. Wir müssen also darauf achten, dass die Geschichte eines Songs auch in einen anderen Kontext passt, den wir beim Schreiben gar nicht im Kopf hatten.


Konkret bedeutet das, ich überprüfe meine Songtexte, ob sie auf unterschiedliche Situationen passen ohne dabei oberflächlich zu werden. Denn es darf nicht passieren, dass unsere Geschichte inhaltlich an Gehalt verliert und nur noch platt daher kommt. Mit einem Beispiel lässt sich das am besten veranschaulichen.


Beispiel: den Kontext einer Geschichte erweitern


Nehmen wir an, ich schreibe einen Song über meinen Ex Freund, der mich aus irgend einem Grund verlassen hat, den ich nicht kenne. Und ich frage mich in meinem Song jetzt, ob ich das Problem bin. In meinem Vers besteht mein erster Entwurf aus folgenden zwei Zeilen:


Du hast mich verlassen, die Beziehung beendet

Ohne Streit, ohne Grund, ich weiß nicht warum.


Ich erzähle hier also von einem persönlichen Erlebnis aus meiner Beziehung. Für alle, die schon mal in einer ähnlichen Situation steckten oder gerade stecken funktionieren diese Zeilen sehr gut. Sie können es genau nachvollziehen, wie das lyrische Ich im Song sich fühlt. Allerdings trifft das eben nur auf diejenigen zu, die sich in genau diesem Kontext befinden.


In einer leicht überarbeiteten Version versuche ich also, den Kontext der zwei Zeilen etwas weniger eindeutig zu machen, ohne dabei den emotionalen Gehalt zu verlieren. Meine Idee sieht dann so aus.


Du hast mich weggejagt, und einen Schlussstrich gezogen

Ohne Worte, ohne Grund, bitte sag mir warum


Die Anpassungen, die ich gemacht habe beziehen sich auf den Kontext der Beziehung. Die Wörter, die sehr eindeutig das Bild einer Beziehung darstellen ("Beziehung beenden" und "Streit") habe ich ersetzt mit Beschreibungen, die einen etwas weiter gefassten Kontext zulassen ("Schlussstrich ziehen" und "Worte"). Somit könnten die zwei Zeilen beispielsweise auch in den folgenden Kontext passen.


Kontext: Durch einem Sturm habe ich mein ganzes Hab und Gut verloren und ich befrage in dem Song das Schicksal, warum ausgerechnet mir so etwas passiert.


Natürlich passt der erste Kontext deutlich besser zu den Zeilen, allerdings lässt sich mit dem anderen gut überprüfen, ob sich der Text zu spezifisch auf eine bestimmte Situation bezieht.


Durch kleine Anpassungen unseres Songtextes können wir also dafür sorgen, dass sich der mögliche Kontext erweitert und somit mehr Menschen einen persönlichen Bezug dazu finden. In Folge dessen werden auch mehr Menschen unseren Song mögen.


Also beim nächsten Song vielleicht mal bewusst drauf achten, ob er auch in unterschiedliche Situationen passt.

Musikcoach München

Leo Kukral

Kothieringerstraße 12

81825 München

0176 55535827

info@musikcoach-muenchen.de

  • Facebook
  • Instagram